Am Samstag, den 8. November findet in der FeG München von 8:30-18 Uhr

FeG München-Mitte, Mozartstraße 8, München 80336

 

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Radlergottesdienst in Steinheim

 

Ein überraschender Anblick bot sich den Passanten, die am Sonntagvormittag die Straße „an der Egau“ in Steinheim entlanggingen. Viele Fahrräder säumten den Bordstein vor der Freien evangelischen Gemeinde. Anlässlich der Neueröffnung der Radleroase feierte man einen Radlergottesdienst für Jung und Alt.  Im Sommer 2013 hatte die FeG Dillingen mit der Radleroase ein Projekt gestartet.  Jetzt ist der öffentliche Rastplatz am Donauradwanderweg fertiggestellt. Radfahrer können hier rund um die Uhr haltmachen, ihre Beine ausstrecken, Schutz vor dem Wetter finden, die Füße vom Steg aus ins Wasser baumeln lassen, sich am Wasserspender erfrischen, die Fahrradreifen am Kompressor befüllen und sich anhand der ausliegenden Prospekte über den Radweg informieren. Im „Eck der Stille“ darf man meditieren, sich inspirieren lassen und persönliche Gedanken im Radlertagebuch niederschreiben.

Aber nicht nur Radtourristen profitieren von dem Angebot. Auch Steinheimer profitieren von dem „grünen Fleckchen an der Egau“. Seit knapp 20 Jahren hat die Freie evangelische Gemeinde im Dillinger Ortsteil ihre Heimat gefunden. Dankbar gibt sie dem Ort etwas zurück und setzt auch einen Akzent im Ortsbild.

 

Wir sind dankbar und auch ein bisschen stolz, mit wie viel Zeitaufwand und mit wie viel Herzblut und Kreativität dieses Projekt verwirklicht wurde. Viele Hände haben mit angepackt und eine Vielzahl von Spendern ermöglichte erst die Verwirklichung der Idee.  Dieser Rastplatz ist in seiner Art einzigartig am Donauradwanderweg. Vielleicht hat er Modellcharakter für ähnliche Projekte. Für uns als Christen findet sich darin viel von unserem Glauben wieder: die Verbindung zwischen Natur, praktischen Hilfsleistungen und die Einladung zur Begegnung mit Jesus.  

In der Segnung der Radleroase kam daher der Wunsch zum Ausdruck, dass viele Menschen von dem Angebot profitieren, dass jeder beschenkt weiterfährt und bei manchem der Glaube ins Herz gesät wird.

 

Die Radleroase ist auch mit einer eigenen Website im Netz präsent: www.radleroase.com

Feierliche Eröffnung der Radleroase

 

 

 

Am 14 Juli feierte die FeG ihr 25-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlaß überreichte sie dem Landkreis ein Geburtstagsgeschenk: die erste Radleroase am Donauradweg. Die Radleroase ist ein öffentlicher Rastplatz in der Natur. Sie bietet Sitzgelegenheiten, eine Unterstellmöglichkeit, einen Steg in die Egau, Wasserspender, Reifenkompressor, Informationsmaterialien etc. Neben den praktischen Angeboten will die Radleroase in besonderer Weise ein Ort der Stille und der Einkehr sein. Hierfür ist ein Kreuz aufgestellt, Bibeltexte laden zur Besinnung ein und ein Radlertagebuch steht zur Verfügung, um eigene Gedanken und Gebete zu formulieren.

 

Landrat Leo Schrell, der die Schirmherrschaft für das Projekt inne hat, freute sich bei einer Besichtigung über den Beitrag für unseren Landkreis und dankte der FeG für ihr Engagement. Während der Einweihung der Radleroase stellte Oberbürgermeister Frank Kunz fest, dass die Radleroase von der Offenheit der FeG zeuge. Ansgar Hörsting, Präses der Freien evangelischen Gemeinden in Deutschland, sah in der Radleroase ein Sinnbild dafür, dass Kirchengemeinden unterwegs sind zu den Menschen.

 

25 Jahre FeG Dillingen

 



25 Jahre! Nur? Schon! Egal. Sie ist da. Und das ist gut so.

Am Anfang war die Sehnsucht nach einer Gemeinde, ähnlich wie die Gemeinschaft der ersten Christen. Bald hatten sich Gleichgesinnte gefunden. Man begann sich regelmäßig zu treffen. So entstand  die erste evangelische Freikirche im Landkreis Dillingen. Parallel wurde eine weitere Freikirche, das Christliche Zentrum Dillingen, gegründet.

Warum etwas Neues gründen, wenn schon andere Kirchen da sind? Die Frage wurde auch schon vor 500 Jahren gestellt, als die evangelische Kirche entstand. Aufbruch sucht sich neue Formen. Und wer die FeG kennengelernt hat, merkt: hier ist tatsächlich manches anders.

Aber darum geht es uns nicht. Wir wollen unseren Landkreis neu mit Glauben beleben, oder besser gesagt, uns dafür einsetzen und Gott drum bitten, dass Er das tut. Wir wissen, dass wir mit diesem Anliegen nicht alleine dastehen in unserem Landkreis. Dennoch würden viele sagen: FeG, du hast uns gerade noch gefehlt!

Mancher hat durch diese Gemeinde zum Glauben gefunden und kann jetzt nicht mehr ohne sie. Mancher ist hier angekommen in seiner Gemeinde. Aber dennoch sind alle sind gleichzeitig gemeinsam unterwegs. Denn Glaube heißt gemeinsam unterwegs sein. Nicht irgendwie sondern in der Nachfolge Jesu. Das bedeutet zielgerichtet leben, aber auch immer im Aufbruch leben. Dieser Herausforderung wollen wir uns die nächsten 25 Jahre stellen und uns neu fragen:  Wo müssen wir Altes verlassen oder Altes neu entdecken. Wie können wir Gemeinde nach dem Neuen Testament leben und dabei dem Heiligen Geist Raum geben, damit Er mit uns Gemeinde gestaltet nach seinem Plan.

Wenn diese Zielvorgabe steht, darf man gespannt und gelassen in die Zukunft schauen: gespannt, wohin Gott uns noch führen   wird und gelassen, weil Er der Herr der Gemeinde ist, auch der kleinen  Gemeinschaft hier in Steinheim.

Ich freue mich, hier dabei sein zu dürfen!

 

Ihr


Pastor Klemens Kißner

Ein „wertvoller“ Abend für alle Sinne



Ein außergewöhnlicher Abend für alle Sinne fand im Faustussaal in Dillingen statt. Etwa 70 Besucher bekamen etwas für Ohren, Augen und Geschmacksknospen geboten. Das vielseitige Programm unter dem Motto „Wertvoll“ der Freien evangelischen Gemeinde Dillingen-Steinheim in Zusammenrbeit mit dem Eine-Welt-Laden hatte dabei ein gemeinsames Anliegen: Es ging um den Wert jedes Menschen und damit verbunden um eine Sensibilisierung für die Situation benachteiligter Menschen. Die Sängerin Daniana stimmte die Hörer mit ihren einfühlsamen und tiefgründigen Liedern auf das Thema des Abends ein. Der Ghanaer Bede Godwyll, Mitarbeiter und Referent bei der Fairhandelsorganisation GEPA, ist vertraut mit „beide Seiten“. Aufgewachsen in Afrika, lebt er seit vielen Jahren in Worms und setzt sich für die Situation Benachteiligter in anderen Teilen der Erde ein. Lebendig informierte er, unter welchen Bedingungen westliche Konsumgüter in Ländern wie Pakistan oder der Elfenbeinküste hergestellt werden; beispielsweise von sogenannten „Fußballnäherinnen“ in Pakistan. 90 Prozent der Fußbälle der Welt kommen aus einer kleinen Region in Pakistan, wo diese aufwendig von Hand genäht werden. In den vergangenen Jahren haben sich die Bedingungen der Näherinnen verbessert, seit die großen Sportartikelhersteller auf Mindestlöhne achten und Kinderarbeit unterbinden.

 2012 bekam die Stadt Dillingen den offiziellen Titel „Fairtrade-Stadt“ verliehen als Anerkennung für die Bemühungen um mehr Gerechtigkeit im Handel. Seit 31 Jahren setzt sich der Eine-Welt-Laden für dieses Anliegen ein. Leiterin Beate Bauer bot am Ende eine Kaffeeprobe aus dem fairen Handel an.

„Ich würde interreligiösen Dialog auf Gemeindeebene verneinen“


Herr Karahamaza, schön, dass Sie sich die Zeit nehmen. Vom Islam zum Christentum zu konvertieren, gilt ja als gemeinhin sehr schwierig. In manchen Ländern des Nahen Ostens wird man dafür umgebracht. Wie war die Reaktion in Ihrer Familie und bei Ihren Freunden?


Sie waren sehr geschockt, als sie erfahren haben, dass ich den Islam verlassen habe und Christ geworden bin. Denn in den Augen eines Moslems muss ein Mensch psychisch gestört sein, um den Islam zu verlassen. So haben auch meine Verwandten gedacht: dass ich in den dunklen Kellerräumen der Kirchen hypnotisiert worden sein muss. Als sie mich aber ganz fröhlich vor der Tür stehen sahen, ging es ihnen schon besser. Meine Mutter war krank dadurch, dass sie in Gedanken gefangen war und um mich trauerte. Als sie mich aber ganz gesund und munter und fröhlich wiedergesehen hat, ging es ihr gleich schon besser.
Verfolgung brauche ich nicht zu befürchten, weil ich aus einer gemäßigten Rechtsschule komme, wo mit den Konvertiten nicht so hart umgegangen wird wie in der schafiitischen Rechtschule, die Muslime, die den Islam verlassen, verfolgt. Aber ich stamme aus der chanefitischen Rechtsschule, wo das Verlassen des Islams nicht mit dem Tod geahndet wird. Im schlimmsten Fall wird derjenige, der den Islam verlässt, enterbt.


Haben Sie schon mal versucht, auf andere Muslime -Verwandte, Freunde, Bekannte- zuzugehen und auch sie vom Christentum zu überzeugen?


Ich habe im Einzelnen immer wieder Kontakte zu Moslems, sei es aus dem türkischsprachigen Bereich oder aus arabischen Ländern. Ich habe selber erleben dürfen, dass zwei Menschen durch die Kontaktaufnahme mit mir und vielen anderen Christen zum Glauben gefunden haben. Beide sind Geschwister, zwei Brüder. Die Mutter ist türkisch und der Vater kurdisch. Einer ist Student bei der FDA, jetzt macht er noch ein Sozialpädagogikstudium. Der andere ist behindert, sitzt im Rollstuhl. Er ist so fröhlich geworden, gibt ein lebendiges Zeugnis, überall wo er eingeladen ist. Das ist eine große Freude, das zu erleben, dass auch andere zum Glauben an Jesus finden.
Ist der Gott der Muslime derselbe wie der der Christen?
Ich glaube nicht.


Im Christentum gibt es ja, im Gegensatz zum Islam, keine Speiseverbote. War das ein Argument für Sie, zum Christentum zu konvertieren?


Nein. Ich habe nicht darauf Wert gelegt, wo was erlaubt ist. Sondern mich hat einfach die klare Botschaft von Jesus getroffen, dass ich derjenige bin, der ihn eigentlich braucht. Dass ich mit meinen Verdiensten, Taten und Werken vor Gott eigentlich niemals gerecht werden kann. Das habe ich innerlich auch zugeben müssen: auch wenn meine Werke scheinbar gut waren, wusste ich, dass doch meine Gedanken nicht immer gut sind. Dass Gott ja alles sieht und auch ins Herz hineinsehen kann. Da hat sich bei mir eine gewisse Ehrlichkeit eingestellt, sodass ich Jesus erkennen konnte, der allein in der Lage ist, mich aus diesem Schlamassel zu retten. Das habe ich bei vielen Christen dann auch beobachtet, wie sie dann lebten mit Christus: wie unbefangen, frei, unbeschwert sie trotz der Schwierigkeiten des Lebens doch durch diese Weltzeit gehen.


Dennoch haben Sie als Christ diese neue Freiheit, alles essen zu dürfen. Wie gehen Sie jetzt damit um?


Ja, ich mache auch Gebrauch davon. Ich scheue nichts, alles, was gut schmeckt, esse ich gerne. Und da muss ich keinen Unterschied mehr machen, ob das erlaubt ist oder nicht.

Seien wir ehrlich: Drei Götter, die irgendwie eins sind, ein Gott, der einen Sohn hat, und ein Verbrecher, der am Ende als Sieger dasteht. Wie kann man das einem Muslim beibringen?

(zögert)


Neutral betrachtet ist das Christentum tatsächlich völlig sinnlos, weil am Ende der Verlierer gewinnt.


Hm, interessant ausgedrückt. Ich würde sagen, die Dreieinigkeit kann man nicht mathematisch begreifen, kann man auch nicht intellektuell beweisen. Man muss sie so stehen lassen, wie sie (zögert) uns aus der Bibel heraus entgegenkommt. Mit einem Muslim im Gespräch kann man versuchen, klarzumachen, dass derselbe Gott sich in drei verschiedenen Arten und Weisen sich uns offenbart hat: als Schöpfergott, als der, der für unsere Sünden am Kreuz stirbt- das ist nicht ein anderer Gott, und auch als Sohn Gottes ist er kein zweiter Gott. Denn im Evangelium wird bezeugt, dass das Wort am Anfang war. Dass das Wort bei Gott war und dass das Wort Gott selbst war. Und dieses Wort Gottes Fleisch angenommen hat, das heißt Mensch geworden ist. Wenn ich jetzt dir was sage, dann sind das Worte von mir. Das kannst du nicht als etwas Zweites, Separates betrachten, das sind meine Worte, die aus mir heraus kommen. Wenn ich nun die Möglichkeit hätte, mein Wort in einen Gegenstand umzuwandeln- wenn also mein Wort, dass aus meinem Mund kommt, plötzlich ein Fotoapparat würde, dann könntest du nicht sagen: „Hier ist der Dündar, und da ist der Fotoapparat. Das sind zwei Gegenstände.“ Nein, das ist mein Wort. So kann ich, auch wenn das etwas intellektuell oder spekulativ scheint, kann ich anhand der Bibel sagen, dass Jesus Christus nichts anderes ist als Gott selbst. Er ist das Wort Gottes, das von Anfang an da war. Und dass Gott für sich keine andere Möglichkeit gesehen hat, um die Schuld der Menschen zu tilgen. So hat er sich selbst, seinen Sohn, Mensch werden und 33 Jahre über diese irdischen Straßen gehen und am Kreuz sterben lassen. Er hat also sich selbst in seinem Sohn geopfert, dass wir unsere Sünden loswerden. So kann ich auch den Geist Gottes als die Kraft und Macht, die bei den Menschen Erkenntnis und Glaube schafft, die die Herzen der Menschen bewegt, auch als Gott selbst bezeichnen. Das ist alles derselbe Gott, der in uns das alles bewirkt. Also: drei und trotzdem eins. Drei unterschiedliche Offenbarungen und Selbstdarstellungen uns gegenüber, aber ein und derselbe Gott.

 

Kommen Ihnen manchmal Gedanken, so nach dem Motto, vielleicht war der Islam doch das Richtige?


Nein. Ich sehe auch in der christlichen Welt sehr viele Enttäuschungen, klar, sehr viele Menschen, die ein verzerrtes Bild von ihrem Glauben und Leben haben. Aber das beeindruckt bzw. verzweifelt mich alles nicht. Ich bin nur traurig darüber, denn ich habe Jesus Christus am eigenen Leibe erleben dürfen, wie er mir die Augen geöffnet hat. Ich betrachte sein Wort- nicht nur sein Wort- als Wahrheit. Er hat von sich gesagt, dass er selbst Wahrheit ist. Das ist für mich ein Fakt, eine Größe, an der ich überhaupt keinen Zweifel habe. Auch wenn in der islamischen Welt vielleicht gewisse Dinge besser laufen als in der christlichen Welt, ist das für mich nicht der Grund, im Islam die Wahrheit zu suchen. Denn-

 

Was läuft denn in der islamischen Welt besser als bei uns?


Wenn jetzt konkrete Beispiele genannt werden sollen: dort ist Familienleben besser geregelt, da gibt es ganz klare hierarchische Ordnungen, die einzuhalten sind. Verwandtschaftsverbindungen werden viel besser gepflegt und gefördert. Eine gewisse Ordnung in der Gesellschaft, wenn man das so verstehen will, ist durch den Koran auch gegeben. Alles ist ganz klar geregelt. Es kann in einer Freiheit wie hier in Europa manchmal den Eindruck erwecken, mit unserer übertriebenen Freiheit sind wir wirklich viel zu weit gegangen. Jeder macht was er will, jeder darf was er will. Das kann irgendwann einem aus dem Halse herauskommen und zu viel werden. Der Mensch kann sich schon auch danach sehen, dass alles besser geordnet sein müsste, und diese Ordnungen sind in der islamischen Welt zu beobachten. Das kann einen Europäer, der in Christus nicht die Wahrheit entdeckt hat, durchaus locken. Beispiele sind ja genug da.


So eine Ordnung kann aber auch einschränken. Es kann mich in meiner Freiheit einschränken, wenn ich zu viele Hierarchien habe.


Klar. Aber wenn man in dieser Freiheit aufgewachsen ist, weiß man sie nicht unbedingt zu schätzen, bis man von Gesetzen gefangen genommen wird.


Können Sie sich an Ihr erstes christliches Fest erinnern?


Ja, das war gerade in der Woche, wo ich mich für Jesus entschieden hatte, Ende Oktober. Am 31. Oktober war Reformationstag. Und das ist ja auch schon ein Festtag in der christlichen Welt-


Nur für die Evangelischen.


Ja genau. Martin Luther damals hat als katholischer Priester die endgültige Freiheit in Christus erklärt und sehr viel wieder geradegerückt, was schief gegangen war: dass man allein aus Jesus, aus Gnade heraus… das hat er noch mal ganz deutlich betont und diese Bewegung mitgestaltet. Das habe ich dann als ganz frischer Christ gefeiert.

 

Das kam also gerade zum richtigen Zeitpunkt.

 

Ja (lacht).


Sind Sie in Deutschland je Ausländerfeindlichkeit begegnet?

Mir gegenüber nicht. Ich habe keinerlei ausländerfeindlichen Attacken bekommen oder verbale Äußerungen empfangen. Aber ich habe schon erniedrigende oder feindliche Aussagen den Ausländern gegenüber mitbekommen.

 

Mit Religion verbunden ist oft auch eine ganz bestimmte Kultur. Vermischen Sie in Ihrem Leben manchmal die westliche und östliche Kultur, Okzident und Orient?

 

Nein. Als ich als Moslem in der Türkei gelebt habe, war ich auch nicht so ganz an die Tradition gebunden. Ich habe sie nicht gepflegt. Und ich muss sagen, heute, da ich seit zwanzig Jahren in Deutschland lebe, habe ich schon einige Traditionen aus der christlichen Kultur übernommen. Aber das was bei mir aus dem Orient haften geblieben ist, ist einfach diese Offenheit den Menschen gegenüber. Die auch ganz schnell ins Gespräch kommen und auch umarmen- das tue ich sehr gerne, die Menschen umarmen. Ich kann aber nicht von irgendwelchen Traditionen berichten, die ich hier vermischen würde, weil ich kein traditionsgebundener Mensch bin.

 

Wo sind die Unterschiede der beiden Kulturen, wo die Gemeinsamkeiten?


Uff. (zögert lange) Also an Gemeinsamkeiten muss ich überlegen… Unterschiede weiß ich schon. In der christlichen Kultur wird der Mensch mehr wertgeschätzt. In der christlichen Kultur gibt es Geschlechtergleichheit, in der muslimischen Kultur nicht. In der westlichen Kultur wird Andersgläubigen auch eher Respekt gegenübergebracht als in der muslimischen Kultur. In der christlichen Kultur entlässt man die Kinder viel früher in die Selbstständigkeit. Auch wird auf eine Entfaltung der Persönlichkeit mehr Wert gelegt, während in der islamischen Kultur eher Wert darauf gelegt wird, dass man dieselben Meinungen und Politik der anderen vertritt. Sehr viele Kopien gibt es da. In der christlichen Kultur ist mehr Freiheit als in der muslimischen, wo die Menschen teilweise schon gezwungen werden mit Verhaltensregeln. Bestimmt gibt es auch Gemeinsamkeiten, aber ich komme so schnell nicht drauf. Tut mir leid.

 

Sie sind ein Mensch, der die beiden größten Weltreligionen kennt, was kann man aus so einem Menschen für den interreligiösen Dialog bzw. sogar für die Rolle der beiden Religionen im Nahostkonflikt lernen?


Oh, das ist eine mutige Frage. (zögert) Erst mal würde ich gar nicht die Botschaft von Jesus Christus als eine Religion bezeichnen. Für mich ist das eine wunderbare Offenbarung, in der Gott selbst handelt… Aber zurück zur Frage: Was kann man für den interreligiösen Dialog lernen (zögert lange). Ich würde einen interreligiösen Dialog auf Gemeindeebene grundsätzlich verneinen. Denn da versucht man, Dinge zusammenzubringen, die eigentlich gar nicht zusammenpassen. So wie man auch nicht versucht würde, Feuer mit Wasser zu verbinden. Vielleicht etwas krass ausgedrückt. Ich würde aber jedem Christen empfehlen, offen zu sein für Beziehungspflege, für den Kontakt, das Gespräch mit Moslems in einem interreligiösen Dialog, der auf Personenebene gepflegt werden sollte. Und, ähm (zögert)… die Rolle der beiden Religionen im Nahostkonflikt… da kann ich eigentlich nur sagen, dass dieser Konflikt schon seit jeher besteht und meines Erachtens nach auch nie enden kann, solange die verschiedenen Parteien im Nahen Osten einen absoluten Anspruch haben und auch behalten wollen. Israel ist ein kleines Land. Die Bevölkerung ist sehnsüchtig nach Frieden, möchte in Frieden leben, aber Israel wird einfach nicht in Ruhe gelassen, dass muss ich jetzt mal sagen… ich habe das selber aus nächster Entfernung mitbekommen, dass immer wieder die radikalen palästinensischen Organisationen sticheln und Raketen schießen und Israel dann immer wieder reagieren muss darauf… Weil ein Land ja sich schon auch verteidigen muss. Solange dieses gegenseitige „Nein, du hast hier kein Recht“… von den Moslems wird ja immer behauptet, Israel gebe es gar nicht, hätte gar kein Existenzrecht… Solange dieses Gedankengut weiterhin existiert und geschürt wird, bin ich der Meinung, dass diese Konfliktsituation nie aus der Welt geschafft werden wird.

 

Kann denn ein Gespräch zwischen Christen und Muslimen immer nur auf der Basis stattfinden, dass versucht wird, den anderen von seiner Religion zu überzeugen. Oder kann man nicht auch einfach nur miteinander reden, ohne ständig an Missionierung zu denken.


Das hängt immer von der Position des jeweiligen ab. Ich denke, wenn ich als Christ lebe, dann habe ich auch einen Standpunkt, den ich als Christ zu vertreten und zu bekennen habe. Wenn Christus in seiner Botschaft mir den Auftrag gibt und mich hinaussendet in die ganze Welt, um sie zu Jüngern zu machen… Und Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Wahrheit kommen. Dann muss ich diese Wahrheit entsprechend auch anwenden. Diese Situation wird ja von Jesus gegeben. Das ist nicht meine eigene Idee.

 

Dass kann jetzt in einem Dialog mit einem Muslim durchaus abschreckend wirken, wenn ich sofort am Anfang mit Missionierung komme.


Das stimmt. So einen Weg würde ich auch selber nicht einschlagen. Ich würde nicht in einem ersten Gespräch mit einem Moslem so, wie du das jetzt gesagt hast, gleich sagen „Du musst jetzt Christ werden!“ Aber in meiner Beziehung… (zögert lange) wenn ich das Leben mit diesem Menschen teile, wenn ich Kontakt zu dem Menschen habe, eine Beziehung zu dem Menschen habe, habe ich natürlich auch das Anliegen, dass dieser Mensch auch Christus bekennt als den, der auch ihn retten kann. Ich bin davon überzeugt, dass Christus die Menschen für die Ewigkeit rettet. Also habe ich ein Anliegen, dass auch diesem Menschen geholfen wird, dass auch dieser Mensch Christus erkennt, dazu muss ich ihm nicht verbal sagen „Christus allein kann dich retten“- klar, das kann ich sagen, aber in meinem Leben, in all meinem Verhalten, muss ich das auch an den Tag legen. Dass ich diesen Frieden durch Christus gefunden habe.Dass dieser Mensch, wenn er mich beobachtet, sozusagen nicht gähnt. Von sich aus sagen kann: „Dieser Mensch hat wirklichen Frieden gefunden, der nicht von dieser Welt ist“.

 

Zusammengefasst heißt das also: jede Religion soll ihr eigenes Süppchen kochen und den anderen Koch davon überzeugen, dass die eigene Suppe besser schmeckt. Glauben Sie, dass dann überhaupt eine friedliche Ko-Existenz der Religionen möglich ist?


Doch. Eine friedliche Ko-Existenz der Religionen ist durchaus möglich, wenn diese Verbreitungsversuche des eigenen Glaubens auf friedliche Art und Weise geschehen und nicht mit Waffen. da, wo der Mensch Wahl-und Entscheidungsfreiheit hat, muss kein Krieg entstehen. Also: Christen und Muslime könnten theoretisch im selben Land leben, ohne dass da Krieg herrscht. Das erleben wir ja hier in Deutschland. Ich weiß nicht, wie viele Muslime hier leben, aber in diesem Land herrscht Frieden. Wenn in einem islamischen Land die Christen als Minderheit leben wollen, dann finden wir immer eine Unterdrückung, eine Erniedrigung vor. Die Rechte, die den Moslems und Andersgläubigen hier in diesem Land gewährt werden, werden dort nicht gewährt. Dann wird natürlich ein Zusammenleben, eine Ko-Existenz, nicht so möglich wie in den Ländern, in denen auf Menschenrechte geachtet wird, die Menschen eine Glaubens- und auch Religionsfreiheit haben. Dann ist ein friedliches Miteinander möglich.


Was muss also auf beiden Seiten passieren, damit eine friedliche Ko-Existenz möglich ist?


Gegenseitiger Respekt, auch den anderen stehen lassen und nicht zu sich nehmen.

 

In Deutschland gehen einige Menschen genau den anderen Weg: Sie werden vom Christen zum Muslim, oft sogar zum Islamisten. Können Sie das nachvollziehen? Was sagen Sie diesen Leuten?


Ich kann das eigentlich gar nicht nachvollziehen, aber ich kann es verstehen in dem Sinne, weil ich weiß, dass sehr viele Menschen auch in Europa leben, die Jesus gar nicht kennengelernt haben, die totale Enttäuschung in ihrem Leben erlebt haben, teilweise auch von sogenannten Christen enttäuscht sind. Denn auch gewöhnlicherweise in diesem Land leben sehr viele Menschen, die sich Christen nennen, aber doch im Herzen gar keine Christen sind und-


Taufscheinchristen.


Genau, also Scheinchristen, genauso wie es Scheinmoslems gibt in der Welt. Von daher sind da und da solche Übergänge möglich, dass Menschen total enttäuscht sind und den Frieden nicht gefunden haben und sich jetzt sehr angezogen fühlen von der islamischen Welt und dort plötzlich aufgenommen werden, total Feuer und Flamme sind für die Botschaft des Islams und auch so radikalisiert werden.

 

Das heißt, wenn man solche Menschen, die so frustriert sind, weil sie nur Taufscheinchristen kennen, mit dem realen Christentum konfrontieren würde, dann müsste es möglich sein, diese zu retten.


(zögert) Ja. Im Grunde… Umkehr und Erkennen der Wahrheit ist immer möglich, weil Gott daran selber Interesse hat und arbeitet. Die Wege bleiben uns immer verborgen, wie Jesus da vorangeht und an den Herzen der Menschen arbeitet. Durchaus auch in einem islamischen Land kann ein tiefgläubiger Moslem so von Jesus beeindruckt sein, wenn Jesus ihm begegnet, und auch ohne Evangelisationsbestrebungen von den Menschen zum Glauben an Jesus kommen kann.

 

In westlichen Medien wird der Islam spätestens seit 09/11 sehr einseitig gesehen. Ich erlaube mir daher eine Alles-oder-nichts-Frage: Ist der Islam eine friedliche oder eine gewaltvolle Religion?


Beides. Im Islam steckt sehr viel drin, was miteinander nicht zu vereinbaren ist. Im Islam ist sowohl Friede als auch Gewalt. Ich habe auch friedliche Seiten des Islams persönlich kennen gelernt, ich war selber auch einer, der Frieden haben wollte, in Frieden gelebt hat, anderen Menschen nicht Böses verwünscht hat, sondern auch mit allen anderen Menschen in Frieden leben wollte. Auf der anderen Seite habe ich den Islam auch gewaltig erlebt, in dem Sinne, weil ein bestimmter gesellschaftlicher Zwang immer da ist. Wenn man gewisse Verhaltensregeln nicht eingehalten hat oder sich in einer islamischen Umgebung nicht islamisch verhalten hat, dann habe ich schön Übergriffe, gewaltige Übergriffe, erlebt. Ob das alles mit dem Wesend des Islams vereinbar ist, dass kann man berechtigterweise fragen. Aber auch in den koranischen Aussagen ist durchaus mitenthalten, dass Gewaltausübung nicht illegitim ist.

 

Die erste Aussage war sehr interessant. Früher wollten Sie unbedingt allen Menschen beweisen, dass das Christentum in sich widersprüchlich ist. Jetzt haben Sie gerade eben gesagt, was Frieden und Gewalt angeht, ist der Islam widersprüchlich.


Ja. Ich war ja damals so drin und habe das nicht als Widerspruch empfunden. Weil auch (zögert) alles entsprechend gerechtfertigt wurde. Und heute kann ich das objektiv betrachten. Und wenn ich das objektiv betrachte, von außen, sozusagen, betrachte, wird mir manches schon deutlich. Was der Islam eigentlich alles beinhaltet. Deswegen kann ich diese Aussagen auch treffen. Damit will ich auch keinen schlecht machen. Ich liebe alle Moslems. Es besteht noch Kontakt zu Verwandtschaft und auch Bekannten, die ich hier in Deutschland habe, gehören zu der islamischen Kultur. Ob bewusst oder unbewusst, das sei dahingestellt. Aber ich habe eine große Liebe in meinem Herzen, ich bete für sie, aber ich unterscheide die Menschen von ihren Weltanschauungen.

 

Schließen wir mit der Frage: Gibt es überhaupt den Islam oder gibt es nicht viel eher viele verschiedene Strömungen, die Radikalen, die Säkularen und so weiter?


Sehr gute Frage. Das ist wirklich gut, in dem Sinne, weil den Islam, den viele Religionswissenschaftler, oder Anhänger des Islams predigen, den gibt es nicht in der realen Praxis. Der existiert immer als utopische Größe in den Gedanken, in den Philosophien dieser Menschen. Und es ist nicht zu realisieren, wie der Islam sich selber eigentlich so definiert. Das funktioniert nicht, weil darin die Wahrheit und Unwahrheit vermischt sind. Dafür können die Moslems natürlich auch nichts, dass muss man so stehen lassen, aber in dem Sinne den Islam, der existiert nur in den Idealen der Menschen. Praktizierter Islam, wie der aussieht, das sehen wir in der islamischen Welt.


Dündar Karahamaza, herzlichen Dank für Ihren Vortrag in der Gemeinde, dieses sehr interessante Gespräch und die Einblicke in den Islam.


Ich danke dir.